Teil 1 – Kauf der passenden Zutaten
Was macht ein “armer” Student, der sich mit einem minimalen Budget von CHF 10000.00 den Traum eines eigenen Camping-Busses verwirklichen will? Er benutzt, was er hat: Geduld, Zeit, Hartnäckigkeit, Beziehungen, fachmännische Unterstützung und – das Wichtigste: Sein Notebook, wo er immer wieder www.ricardo.ch eintippt… Zweiflammenrechaud, Küchenarmaturen, Lavabo, Stromumwandler, Ladegerät, Lautsprecher, Lattenrost, Matraze und natürlich der vielfach gerühmte und beliebte VW T4: Alles Dinge, die sich günstig auf Ricardo finden lassen. Den zwar schon alten, aber absolut funktionstüchtigen Einbaukühlschrank ist eine gütige Spende meines Vaters, der als erfahrener Campeur und Camping-Lastwagen-Umbauer auch mit Rat und Tat stehts zur Seite steht.
Beim Bus ist der Entscheid übrigens auf den VW T4 – auch bekannt als “Bully” gefallen, weil von diesem Modell bereits preiswerte Diesel-Gebrauchtwagen zu finden sind, die Marke VW in ganz Europa gut etabliert ist und weil dieses Fahrzeug auf eine geniale Weise auf den Ausbau zum Camper vorbereitet ist.
Teil 2 – Der Rohbau
Der Bully soll möglichst schnell von einem Lastentransporter zu einem Personentransporter oder Camper umfunktioniert werden können. Deshalb habe ich mich entschieden, ihm eine Bodenplatte zu verpassen, welche mit Aussparungen für die jederzeitige Installation der Sitzreihen versehen ist. Darauf sollen künftig die Camping-Module wie Küche, Sitzbänke und Verstaumöglichkeiten mittels Verschraubung befestigt werden können.
Als erstes müssen aber die durch den Vorbesitzer des Busses ziemlich übel zugerichteten Innenverkleidungen ersetzt werden. Hier haben die Konstrukteure bei VW etwas überlegt und für die Befestigung der Innenwände und des Dachhimmels Spreizschrauben aus zähem Kunststoff verwendet. So ist es ein Leichtes, die bestehenden Verkleidungen durch Pavatex-Platten zu ersetzen, welche später mit einem Teppich versehen werden, damit es auch schön heimelig wird im Innenraum. Für die nötige Atmosphäre sorgen auch die bereits genähten Vorhänge in schlichtem Himmelblau.
Gleichzeitig habe ich zwischen Dachhimmel und Karosseriedach die Elektrik in den dafür vorgesehenen Kanälen verlegt: Eine 6-mm2-12-Volt-Stromleitung für den nötigen Saft, das Audiokabel inklusive Steuerplus für den gewünschten Sound, Ein Steuerdraht für das Trennrelais, welches später die Zweitbatterie von der Hauptbatterie trennen wird, wenn der Alternator gerade keinen Strom liefert, sind ein Muss. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, für eventuelle künftige Schaltungen oder Ansteuerungen noch ein paar Extra-Kabel als Reserve zu verlegen.
Teil 3 – Die Innenausstattung
Eine wasserfest querverleimte 19-Milimeter-Dreischichtplatte vom Zimmermann im Dorf bildet die Basis der Inneneinrichtung: Stabil, gut verarbeitbar, preiswert und leicht sind deren positiven Eigenschaften.
Um die ganze Inneneinrichtung sicher und modular im Bus befestigen zu können, bekommt dieser wie besagt eine Grundplatte, die mit Aussparungen versehen ist, damit bei Nichtgebrauch der Campingeinrichtung die Sitzbänke eingehängt werden können. Diese Grundplatte ist lediglich eingelegt und von unten mit Einschlagmuttern versehen, damit die Einrichtungsmodule mit M8-Schrauben befestigt werden können.
Die Möbel sind mit Schiebetüren aus zähen und gut verarbeitbaren PVC-Sandwichplatten versehen, die es in allen erdenklichen Farben zu kaufen gibt. Alle Einrichtungsmodule sind mit PU-Kleber und Lamello geklebt. Die Pavatex-Verkleidungen der Businnenwände werden mit schalldämmendem, leicht isolierendem und recht ansehlichem Nadelfilz beklebt.
Die Küche – mit Zweiflammenrechaud, Lavabo mit Wassertank und Elektropumpe, Verdampferkühlschrank (nur in Elektrobetrieb) und aktiver Belüftung ausgestattet – ist von der Heckklappe her bedienbar. Auch diese ist mit der genannten Dreischichtplatte gebaut. Die Arbeitsfläche ist mit PVC-Bodenbelag beklebt.
Teil 4 – Gas- und Elektroausbau
Da die engen Verhältnisse des Buses nur eine beschränkte passive Belüftung des Gastanks zulassen, musste ich mich auf eher kleine Campinggas-Flaschen beschränken, die nach Gebrauch per Haupthahn verschlossen werden. Des Weiteren ist in der Küche ein Gasmelder eingebaut und das Rechaud ist mit einer Ausströmsicherung ausgestattet.
Das vorsorgehalber eingezogene Steuerkabel für das Trennrelais blieb nicht lange inaktiv. Das Trennrelais, welches wunderbar im Dachhimmel des Busses Platz fand, lässt sich vom Fahrersitz aus bedienen. Ich habe mich bewusst gegen ein durch die Lichtmaschine automatisch angesteuertes Trennrelais entschieden, da bei kurzen Fahrten und leerer Zweitbatterie die Fahrzeugbatterie innert Kürze geleert würde. Als Zweitbatterie dient eine 90Ah-Gelbatterie, die zwar einiges teurer als eine Blei-Säure-Batterie ist, jedoch keine Ausdampfung produziert, in jeder Lage betreibbar ist und eine geringere Selbstentladung aufweist. Da der kraftvolle Kühlschrank bei einer Umgebungstemperatur von ca. 25° C im Durchschnitt ca. 70 Watt leistet, muss ein Kraftwerk her, welches das System auch bei Stillstand des Fahrzeugs mit Strom versorgt. Ein 200Wp-Solarpanel auf dem Dach soll dies richten. Ob sich damit eine vollständige Autonomie wohl hinkriegen lässt? Die Erfahrung wird es zeigen… Fortsetzung und weitere Bilder folgen.
